AI Policy2026-09-06
TechCrunch AI
Seattle Times & Newsday verklagen OpenAI und Microsoft
Die US-amerikanischen Zeitungen Seattle Times und Newsday haben Klage gegen OpenAI und Microsoft eingereicht. Ihr Vorwurf: Die Tech-Unternehmen hätten journalistische Inhalte der Blätter ohne Genehmigung genutzt, um ihre KI-Modelle zu trainieren. Konkret geht es um Systeme wie ChatGPT und Copilot, die laut den Verlagen mit kopierten Artikeln verbessert worden seien. Diese Vervielfältigung stelle eine Urheberrechtsverletzung dar, da die Zeitungen ihre Werke nie für kommerzielle KI-Zwecke freigegeben hätten. Gefordert werden finanzielle Entschädigungen sowie gerichtliche Anordnungen, die weitere unautorisierte Nutzung unterbinden sollen.
Die neuen Klagen reihen sich in eine wachsende Welle juristischer Auseinandersetzungen ein. Bereits zuvor hatten die New York Times, die Authors Guild und weitere Medienhäuser ähnliche Vorwürfe erhoben. Im Kern geht es um die grundsätzliche Frage: Dürfen KI-Unternehmen frei zugängliche Texte im Internet einfach für das Training ihrer Modelle verwenden – oder brauchen sie dafür Lizenzen und müssen die Urheber angemessen vergüten?
OpenAI und Microsoft argumentieren bisher, ihre Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke falle unter die Fair-Use-Regelung. Diese erlaubt in den USA begrenzte Vervielfältigungen etwa für Kommentare oder Forschung. Die Verlage widersprechen: Das Training eines kommerziellen KI-Produkts sei rechtlich gesehen nicht transformativ. Zudem konkurriere es unfair mit ihren eigenen Angeboten – besonders, weil KI-generierte Zusammenfassungen Nutzer davon abhielten, die Originalartikel anzuklicken.
Die Gerichtsverfahren könnten weitreichende Folgen für die KI-Branche haben. Entscheiden die Richter gegen OpenAI und Microsoft, wären KI-Firmen womöglich gezwungen, Lizenzvereinbarungen mit Publishern abzuschließen. Das würde grundlegend verändern, wie Trainingsdaten beschafft werden. Ein Urteil zugunsten der KI-Unternehmen hingegen könnte einen Präzedenzfall schaffen, der die unbezahlte Nutzung geschützter Inhalte in größerem Umfang erlaubt.
Für die Seattle Times und Newsday geht es nun darum, ihr geistiges Eigentum zu verteidigen. Während sich die Rechtslage entwickelt, müssen Verlage und KI-Entwickler einen Weg finden, der Innovation und die Rechte der Kreativschaffenden in Einklang bringt.