AI Security2026-09-19
The Verge
Forscher hacken OpenAI mit Claude
Ein Team aus drei unabhängigen Sicherheitsforschern von Hacktron hat laut einem Bericht des Wall Street Journal mit Anthropics Claude Opus 4.8 und 5 OpenAI-Mitarbeiterkonten in weniger als 72 Stunden geknackt. Die Angreifer verschafften sich demnach Zugang zu OpenAIs GitHub-Repository, bekannt als „Monorepo“. Der Fall ist ein anschauliches Beispiel für die Doppelnutzung fortgeschrittener KI: Dieselben Modelle, die Entwicklern beim Coden, bei der Fehlersuche und bei der Automatisierung von Abläufen helfen, können Angreifern auch beim Planen und Ausführen von Eindringversuchen helfen.
Der Erfolg deutet darauf hin, dass KI die Hürden in der Cybersicherheit senkt. Aufgaben, die früher viel manuelle Aufklärung erforderten – Mitarbeiter eines Unternehmens kartieren, Zugangsdaten identifizieren, überzeugende Nachrichten formulieren –, lassen sich mit Sprachmodellen beschleunigen. Wenn ein KI-System disparate Hinweise verbindet und nächste Schritte vorschlägt, kann ein kleines Team erreichen, wofür früher mehr Leute und mehr Zeit nötig waren. Das nährt Sorgen vor KI-gestütztem Phishing, Social Engineering und automatisierter Suche nach Schwachstellen. Zugleich wächst der Druck auf Unternehmen, Identitätssysteme zu härten, Multi-Faktor-Authentifizierung durchzusetzen und ungewöhnliche Zugriffsmuster zu überwachen.
Zugleich wirft der Einsatz des Modells eines Anbieters gegen die Systeme eines anderen Governance-Fragen auf. Modellanbieter veröffentlichen Nutzungsrichtlinien, doch entschlossene Nutzer finden womöglich Wege daran vorbei. Sicherheitsteams setzen zunehmend selbst KI ein – für Bedrohungserkennung und Red Teaming –, weshalb die Grenze zwischen Angriff und Verteidigung verschwimmt. Die Arbeit der Forscher mag als Demonstration gedacht sein, doch ohne verantwortungsvolle Offenlegung könnte sie KI-getriebene Angriffe auch normalisieren.
Für OpenAI werfen der berichtete Zugriff auf Mitarbeiterkonten und das Repository Fragen zur internen Sicherheit auf. Für Anthropic zeigt der Fall, wie schwer Missbrauch zu verhindern ist. Für die Branche insgesamt lautet die Lehre, dass KI-Sicherheit nicht von gewöhnlicher Cybersicherheit zu trennen ist. Multi-Faktor-Authentifizierung, Zugriffsrechte nach dem Least-Privilege-Prinzip und schnelle Incident-Response bleiben essenziell. Je leistungsfähiger agentische KI wird, desto mehr sollten Organisationen davon ausgehen, dass Angreifer sie nutzen, um schneller zu sein und parallel zu denken. Der Hacktron-Fall erinnert daran, dass KI-Safety und KI-Security inzwischen dieselbe Debatte sind.